[>>]

Befindlichkeiten

22
Nov
2009

Die dritte Stimme

Es ist noch vor dem Frühstück. Noch vor dem ersten Kaffee. Grade beim öffnen der Vorhänge und dem Testaufruf der innerlichen Börsendaten. Da kommt Gesang aus meinem Hals. Feenschöner Gesang, der nach einer malaiischen Prinzessin klingt, welche sich von jungen hoch ausgebildeten Männern mit weichen unbehaarten Oberkörpern, oral pediküren lässt. Diese fremdartige, morgendliche Klangschönheit entweicht mir beim Aufstoßen und wenn ich mit dem Fingernagel sämtliche Patina und Fäulnis des Vortages vom Gaumen abschabe. Es scheint so, als hätte ich Jungfrauenhirne durchstoßen und in ihnen Rast gemacht. Nach etwa fünf Minuten versiegt sie wieder, diese dritte Stimme.

22. November 2009

20
Nov
2009

Das Herztelefon

Mein Herz bröselt. Es zerfällt in viele kleine Blutklumpen oberhalb von Niere und Leber. Ein Stück vom Herz versichert mir die Welt. Für ein Gramm Herzblut bekomme ich Schmuck in guter Qualität, welcher eine Frau zwei Abende lang begleitet. Davon kann man nicht leben. Darauf ist man höchstens einen Moment lang stolz. Ich habe mir etwas Eigenherz einschweißen lassen, damit es in die Schlitze des Geldautomaten der Raffeisen und Blutbank passt. Und ich telefoniere mit dem Zeug. Ich habe mir zu diesem Zwecke extra ein Bluttelefon gekauft. Seitdem ist die Qualität an ehrlich gemeinten Rendezvous mit wundervollen Frauen erheblich gestiegen. Leider braucht sich auf diese Weise mein Herz auf. Und ohne Es ist nichts.

20. November 2009

17
Nov
2009

Geiler Seelenfrosch

Hallo, geiler Seelenfrosch mit deiner pelzigen Zunge in meinem Hals. Du Schrilllaut fürs Küchentelefon. Du Tagesherbstpoesie. Der Tag verschont und verblendet von der Rauheit deiner Sprache. Ich sitze mit dir allein im Schneidersitz, am Brusttisch. Mit der Fernbedienung lasse ich den Servierwagen mit den feinsten Halsschmerzleckereien durch das Zimmer fahren und gegen Kacheln krachen, bis Kristallgläser zu Boden fallen und Mondkrater in die Küche reißen. Ich habe selten etwas so geliebt, wie dich. Du vollbusiges, weizenblondes etwas in meinem Rachen.



17. November 2009

14
Nov
2009

Rheinischer Sauerbraten

Auf der Sucher nach der Günderrode habe ich jetzt folgende Geschichte geschrieben.


Rheinischer Sauerbraten

Im Abendausgehkleid am Rhein entlang. Die Haut verwundet von der Melancholie. Zwischendurch das Rasseln und Rauschen abgeernteter Weinstauden. Dampfschiffe kurven langsam vorbei an diesen Hügeln. Und kühler Wind umspielt die Wangen. Sie schaut noch einmal zurück. Die Erinnerungen faltig wie Dörrobst. Zwei Soldaten grüßen frech und unangebracht. Ihre modischen Frisuren duften lachhaft in der Weinsauce dieser Luft. Sie schauen bedrohlich, aber sie vergehen sich nicht an der jungen Frau. Lange sehen sie ihr nach. Ihre abschätzigen Blicke wie Peitschenhiebe auf ihre nackten Schultern. Sie nimmt es hin, ohne die Buben und ihre nimmlustigen babbelnden Münder zu beobachten, ohne beim Schmerz auf ihren schmalen Schultern eine Miene zu verziehen. Sie zieht ihre Schuhe aus und wirft sie ins vom Abendgrau getrübte Wasser. Ein Schiffshorn tutet und sendet dunklen Rauch in die tiefen Wolken, welche sich jetzt auf den Bergspitzen niedergelassen haben.

...

31
Okt
2009

Der Eisschrank

Ein kalter Schrank steht zwischen uns, gefüllt mit allerlei Leckereien. Wir rühren uns nicht. Uns raucht der Herbst, braunblättrig, bezuglos, ereignislos, zeitlos letztlich. Nach dem letzten Eisbeinritual sind wir nicht mehr aufgestanden. Die letzte Lammkeule, gespickt mit spitzen Knoblauchzehen hängt noch zwischen unseren Zähnen. Keine Berührung, keine Jugendliebe und auch keine warme Mahlzeit. Wir bräuchten Suppendienste, die uns hülfen.


31. Oktober 2009

25
Okt
2009

Bratkartoffeln und Grünkohl

Vater stand in Mutters Einkleidezimmer. Er sah in den Hinterhof, wo die großen Buchen standen und die kleinen Italiener Schutzgeldeintreibung spielten, bei Spaghetti und roter Brause. Rex Gildo sprang aus dem Radiobalkon. Die Küche roch immer gleich. Dunstnebel über der Abwaschschüssel ohne Abzughaube. In der Koch- und Waschwolke zerzausten Mutters Haare. Mein Vater zog mir mit der Handkante den dritten Tagesscheitel. Noch einen Schluck aus dem Messingflachmann, dann ging es auf den Wohnzimmerteppich zum Ringkampf. Das war traditionell gesehen ein guter Sport für einen Jungen meines Alters und in unserer Familie sowieso. Mein Großvater war Masurischer Jugendmeister im Gewichtheben. Sein Bruder jedoch nur eine fragwürdige Berühmtheit im Kölner Karneval, bekannt als „De doof Nuss!“ Unsere Familie hatte sich in ganz Europa breit gemacht.

...

6
Okt
2009

Wäre ich ein Mädchen

mvs maedchen

Als Mädchen wäre ich gut. Ich hätte rot geweinte Augen und blutige Füße und wäre auch ein Naturtalent beim Ruckidigu. Ich würde die Hüte meines Vaters tragen und den Stallburschen schöne Hühneraugen machen. Ich würde über Zäune klettern, mir die Hosen zerreißen und mit Asche an den Wangen durch Discos fegen. Und das wäre alles wunderschön. Ich wäre wunderschön. Bei Tageslicht würde meine Haut leuchten. Ich trüge die Tätowierungen meiner Brüder auf. Aber ich bin kein Mädchen.

Ich bin ein Pony.



6. Oktober 2009

4
Okt
2009

Niederkunft

Zwischen Begonien und Tulpen. Tiefes Tal. Kaffeesabber an den Lippen. Spazieren mit Spurenelementen in der Unterwäsche. In der Zeitung bunte Bilder in schwarzen Kanälen. Die Frauen freizeitlich und lebendig. Freizügig und laut. Die jungen Damen und auch die nicht mehr so ganz jungen. Selbst die Muttis. Das zu Sehen macht alt. Ich bin ein einfacher Mann. Glockenformen von Rockgebilden bis zum Boden betören mich. Aber keine schnatternden Kelchstimmen. Tätowierte Hautfetzen überfordern meine Augen. Regen in Bögen ist romantisch. Klitschnasse Kleider aber nicht mehr hauchzart.

Ich wünsche mir den Wandkalender zurück, der einst heimlich in meinem Jugendzimmer hing, hinter dem Schreibtisch, dort wo Mutter nicht nachsehen konnte. Damals habe ich von Bunsenbrennern geträumt, welche Nabelschnüre durchtrennen und Leben erwecken.

4. Oktober 2009

18
Sep
2009

Weltbild

Alles war so einfach. Ich hatte ein rotes Telefon. Du trugst rote Slips und gelbe Socken und hattest den imposantesten Po zwischen Alster und Pinnau. Und dies auch ohne Designerlaufschuhe. Mit meinem Palästinensertuch fing ich Mädchen ein, die nach Nizzasalat schmeckten. Sie kicherten, wenn ich sie im Treppenhaus fesselte. Ich spielte mit ihnen Räuberschach, oder „Reise nach Jerusalem!“ Auf den Straßen war alles gut einteilbar. Schlechte Autos, gute Fahrräder, alberne Mofas, liebe Omis, perverse Greise. Wir tranken Bowle mit viel Früchten und diskutierten die Nächte über mit Paul, Peter, Christian, Achim, Sadik und Jan. Kevins gab es damals noch nicht und die hätten wir gewiss nicht in unsere Runde gelassen. Wir hatten Sex, selten zu zweit, meistens nicht gut. Die Handwerker schauten dir nach, bis ich sie aus der Wohnung warf. Du schämtest dich, wenn ich dich vor den anderen, an einer bestimmten Stelle berührte. Ich tat es dann extra. Und wir hatten immer deswegen Krach. Wie schön.



18. September 2009

15
Sep
2009

Großartig - abgefahren

Ich bin keine Kunstfigur. Ich bin Kunst. Ich bin nicht alt. Hundert und ein paar mehr Jahre sind keine Zeit. Ich singe Lieder. Und ich lalle Leben. Ich bin MX. Ich liebe Wein ohne Abblendtaste. Ich bin offen für alle Lebensblenden. Ich bin großartig. Ich bin abgefahren. Ich bin LX. Dominostein meiner Phantasie. XXmehr Mensch bin ich. XX. O. Ich bin vier gewinnt. Immer auf der Mitmachstraße und immer zur Unterhaltung da und ich sitze im Rolls Royce im Kofferraum.



15. September 2009
logo

MVS mit Text und Bild

Bilder zu Gedanken - Gedanken zu Bildern

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Impressum

Meine Bücher bestellen

text-fuer-text - das Buch ist da Das erste Käthe / Jonathanbuch ist da

Aktuelle Beiträge

Die dritte Stimme
Es ist noch vor dem Frühstück. Noch vor dem...
mvs64 - 22. Nov, 12:48
Das Herztelefon
Mein Herz bröselt. Es zerfällt in viele kleine...
mvs64 - 20. Nov, 20:01
Analoge Nachlese Oberwesel
Mit Pentax MX und Kodak 200 und der Lubitel mit Superia.
mvs64 - 20. Nov, 15:10
Das alternative fotografische...
Und dies trotz Erkältung du. Diesmal das wunderbare...
mvs64 - 19. Nov, 21:24
Geiler Seelenfrosch
Hallo, geiler Seelenfrosch mit deiner pelzigen Zunge...
mvs64 - 17. Nov, 12:48

Zufallsbild

barthelmes cool

Kalender

November 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 
 2 
 3 
 4 
 6 
 7 
 8 
10
13
15
16
18
21
23
24
25
26
27
28
29
30
 
 
 
 
 
 
 
 

Wetter

Aktuelles Wetter in Hamburg:


Temperatur: 11 C
UV Index: 0
Luftfeuchte: 71 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1005.1 mb
Windstärke: 19 km/h

Weather data provided by weather.com

Web Counter-Modul

Suche

 

Status

Online seit 1450 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 22. Nov, 12:48

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this topic

twoday.net AGB