... habe ich nun ins Leben gerufen. Warum? Es gibt schon das Fotografische Duett hier der Fotocommunity.
Alles was Großartig ist, braucht eine Alternative, so etwas wie den alternativen Nobelpreis zum Beispiel und deswegen habe ich "Das alternative fotografische Solo" ins Leben gerufen, bei dem ich in unregelmäßigem Abstand ein Bild alternativ und sinnlos, aber schön, besprechen werde. Es ist ein Projekt für die Kunst und für die Liebe.
Ich beginne mit diesem wunderbaren Bild oben vom 5. Mai 1987, welches die wunderbare Straßburger Straße in Hamburg Dulsberg zeigt.
Als Mädchen wäre ich gut. Ich hätte rot geweinte Augen und blutige Füße und wäre auch ein Naturtalent beim Ruckidigu. Ich würde die Hüte meines Vaters tragen und den Stallburschen schöne Hühneraugen machen. Ich würde über Zäune klettern, mir die Hosen zerreißen und mit Asche an den Wangen durch Discos fegen. Und das wäre alles wunderschön. Ich wäre wunderschön. Bei Tageslicht würde meine Haut leuchten. Ich trüge die Tätowierungen meiner Brüder auf. Aber ich bin kein Mädchen.
Zwischen Begonien und Tulpen. Tiefes Tal. Kaffeesabber an den Lippen. Spazieren mit Spurenelementen in der Unterwäsche. In der Zeitung bunte Bilder in schwarzen Kanälen. Die Frauen freizeitlich und lebendig. Freizügig und laut. Die jungen Damen und auch die nicht mehr so ganz jungen. Selbst die Muttis. Das zu Sehen macht alt. Ich bin ein einfacher Mann. Glockenformen von Rockgebilden bis zum Boden betören mich. Aber keine schnatternden Kelchstimmen. Tätowierte Hautfetzen überfordern meine Augen. Regen in Bögen ist romantisch. Klitschnasse Kleider aber nicht mehr hauchzart.
Ich wünsche mir den Wandkalender zurück, der einst heimlich in meinem Jugendzimmer hing, hinter dem Schreibtisch, dort wo Mutter nicht nachsehen konnte. Damals habe ich von Bunsenbrennern geträumt, welche Nabelschnüre durchtrennen und Leben erwecken.
Habs gern ins FC Voting gestellt und erwarte Ausschreitungen. Bild von dem großarigen Stefan Kalscheid aus Essen.
Begründung diesmal
Der Bildautor spricht von der Entpuppung der Barbie. Bezeichnend für die Barbieseele ist, wie unverändert entspannt sie dabei schaut. Ich schlage das Bild vor, weil das Entpuppen und Verbrennen von Spielzeugen ein uralter Kindheits- und somit Menschheitstraum ist und weil sie aussieht, als befände sie sich auf einer goldenen Kutsche aus brennendem stinkendem Plastik.
Im Kontext zu den anderen Bildern dieser Serie ein großer, wunderbarer Moment. Hexenverbrennung? Ich denke nein, so eine Barbie hat einfach nicht das Zeug zur Hexe. Nichtmal zum geilen Weib und nichtmal zum Fototaliban.